Selbstverständnis und Konzept


Linke Hochschultage II: Aufs Ganze gehen!
Formen der Ausbeutung, Ausdrücke des Widerstandes.

Ausbeutung und Unterdrückung sind für die grosse Mehrheit der Menschen bittere Realität. Wir lesen es in Studien, wir schreiben darüber in unseren Seminararbeiten und erfahren es jeden Tag selbst aufs Neue: Prekarisierung, Sexismus oder Formen der sekundären Ausbeutung wie Wohnungsnot sind auch Teil unseres eigenen Alltages. Zu oft aber bleiben Analysen darüber an der Oberfläche. Systematische Ursachen werden ausgeblendet, Zusammenhänge übersehen und zu viele Fragen bleiben unbeantwortet. Das wollen wir ändern und aufs Ganze gehen. An den Linken Hochschultagen II werden wir verschiedene Formen von Ausbeutung und unterschiedliche Herrschaftsverhältnisse analysieren, weiterführende Fragen stellen, diskutieren und nach gemeinsamen Ausdrücken des Widerstandes forschen.

Klassenausbeutung, Rassismus, Neokolonialismus, Ausbeutung der Natur und Sexismus

Noch immer leben wir in einer Welt, in welcher die kapitalistische Produktionsweise die ökonomischen Verhältnisse dominiert. Arbeitende produzieren einen nie dagewesenen Reichtum, erhalten aber nur einen Bruchteil davon. Aktionäre und Eigentümerinnen streichen den Mehrwert ein. Wenn Spekulantinnen und Konsorten Mieten immer mehr in die Höhe treiben, dann zeigt sich die auf Privateigentum beruhende Klassenausbeutung auch in ihrer sekundären Form. Was sind die Folgen der kapitalistischen Produktionsweise für unser alltägliches Leben? Welche Methoden gibt es, um ökonomische Ausbeutungsformen sichtbar zu machen? Wie lässt sich eine solche Forschung mit einer kritischen Praxis verbinden?

Besonders in Zeiten der Krisen haben rassistische Erklärungsmodelle Hochkonjunktur. In klassischer Sündenbockmanier werden Minderheiten stereotypisiert, zu Tätern der Krise konstruiert und über unterschiedliche rassistische Formen diskriminiert. Doch rassistische Gewalt und Unterdrückung ist nicht nur in krisenerschütterten Ländern gängiger Alltag. Auch bei uns ist sie, ob in institutionalisierter oder individueller Form, allgegenwärtig. Wie lässt sich Rassismus sichtbar machen? Wie lassen sich soziale Kämpfe internationalisieren? Wie kann eine solidarische Verbindung zwischen Forschung und marginalisierten Gruppen aussehen?

Die USA und die EU dominieren die Welt. Auf den Kolonialismus folgen neue Formen der Ausbeutung und Unterdrückung. Durch Schuldenpolitik und Strukturanpassungsprogramme werden Länder in wirtschaftliche und kulturelle Abhängigkeit gedrängt und die Ressourcen der Länder geplündert – im Zweifelsfall auch durch militärische «Interventionen». So ist der koloniale Alltag in unterschiedlichen Formen auch heute noch in weiten Teilen der Welt allgegenwärtig. Welche neuen Formen der kolonialen Abhängigkeit existieren? Wo lässt sich Kolonialismus auch auf ideologischer Ebene sichtbar machen? Wie sehen Formen des Widerstandes der unterdrückten Subjekte gegen koloniale Herrschaftsverhältnisse aus?

Deepwater Horizon (BP-Ölkatastrophe) und Fukushima sind die beiden prominentesten Beispiele der nahen Vergangenheit für die Zerstörung und Ausbeutung der Natur. Hier zeigt sich deutlich, wie Profite privatisiert, Schäden aber vergesellschaftet werden. Geht es um die Profite der Unternehmen, dann zählen die Natur und der in ihr enthaltene Lebensraum nichts. Zerstörung riesiger Gebiete, Umweltverschmutzung und spürbare Klimaerwärmung sind tragischer Bestandteil unserer Realität. Doch die Ausbeutung der Natur ist nicht nur Teil der kapitalistischen Profitlogik, sondern auch die politischen Entscheidungen einzelner Länder, Firmen oder Institutionen. Inwiefern ist das aktuelle Wirtschaftssystem die Ursache für die verschiedenen Formen der Umweltzerstörung? Wie werden Konzepte wie Green Economy von Staat und Kapital als Instrumente benutzt, um die herrschende Ordnung zu reproduzieren? Und wie gestaltet sich das Verhältnis der Menschen und der Gesellschaft zur Natur?

Die Geschlechterverhältnisse sind eine weitere aktuelle Form von Herrschaft und Ausbeutung. Frauen verdienen für gleiche Arbeit weniger. Führungspositionen bleiben ihnen verwehrt. Geschlechtliche Normen sowie die binäre Geschlechterkonstruktion schränken die Lebensmöglichkeiten aller Menschen ein – nicht nur in der Arbeitswelt. Geschlechterspezifische Verhaltensnormen und normierende Körperkulte sind kulturell tief verankert. Auch Sexismus ist noch immer gesellschaftlicher Alltag. Wie werden aktuelle Geschlechterverhältnisse zu herrschenden Normen? Wo zeigen sich auf die Geschlechter zurückgreifenden Ausbeutungsverhältnisse? Wie kann die Forschung gängige Geschlechterstereotypen durchbrechen und die soziale Konstruktion von Geschlecht offenlegen?

Linke Hochschultage II

Diese verschiedenen Bereiche von Ausbeutung und Unterdrückung zusammenzuführen, ihre gegenseitigen Bedingungen und Verschränkungen zu analysieren und dadurch die Gesellschaft als ein Ganzes zu betrachten, ist Aufgabe einer progressiven, emanzipatorischen Wissenschaft. Die Linken Hochschultage II versuchen innerhalb dieser Ausbeutungsformen Zusammenhänge herzustellen, Unterschiede zu beleuchten und stellen die Frage, welche Handlungsperspektiven sich daraus entwickeln lassen können. Es braucht eine Wissenschaft, welche die gesellschaftlichen Verhältnisse bis aufs Skelett durchleuchtet und daraus auch Konsequenzen zieht. Eine Wissenschaft, die aufs Ganze geht.

Mit den Linken Hochschultagen II wollen wir an den erfolgreichen Erfahrungen der ersten Austragung anknüpfen. Im Herbst 2012 haben wir uns einen ungenutzten universitären Raum angeeignet, um an den ersten Linken Hochschultagen mit dem Titel «Krise, Analyse, Widerstand» über die Krise in Wissenschaft und Wirtschaft nachzudenken und aus verschiedenen Perspektiven eine grundsätzliche Gesellschaftskritik zu formulieren. Ausgehend von diesen Analysen schreiten wir nun voran und unternehmen den Versuch, verschiedene Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse zu analysieren und gemeinsam Perspektiven zu entdecken, welche die Konfrontation mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit suchen.

Wir laden alle Interessierten, Studierenden, Forschenden und sonstigen Wissensproduzierenden dazu ein, mit uns zu diskutieren und zu handeln.

Komitee für Linke Hochschultage

Position paper in english

Weitere inhaltliche Infos

Die AG Klasse stellt sich vor

Die AG Natur stellt sich vor

Ort:

Die Linken Hochschultage 2013 finden im Containerdorf an der Kantonsschulstrasse gleich beim Kunsthaus statt.

Zusätzliches Material

Plakat

Flyer Mittwoch-Freitag

Flyer Samstag

Kontakt

linke PUNKT Hochschultage AT gmail PUNKT com