Programm Übersichtsplan

Programm Samstag

Ab 10:00 Frühstück

Alex Demirovic: Zum Werk und zur Rezeption Nikos Poulantzas‘. Die Veranstaltung entfällt leider!

Der poulantzas‘sche Staatsbegriff steht im Zentrum dieser Veranstaltung. Der griechisch-französische Philosoph Nicos Poulantzas thematisierte den Staat im Zusammenhang mit der Frage des Wissens und der Trennung von geistiger und körperlicher Arbeit und diskutierte dabei die Überwindung der Teilung zwischen Regierenden und Regierten, Führenden und Geführten.

Katrin Meyer: Sicherheit als Grundprinzip von Staat und Gesellschaft – eine Herausforderung für linke Politik?

Zeitpunkt: 12.00 – 14.00

Die Politik westlicher Staaten orientiert sich zunehmend am Begriff der Sicherheit und verdrängt alternative politische Grundwerte wie Gerechtigkeit oder Frieden aus dem Blickfeld. Das Sicherheitsdenken prägt auch die aktuelle Schweizer Politik und verändert ihr Rechts- und Normengefüge. Aus linker Perspektive ist zu fragen, wie die gegenwärtigen Sicherheitspolitiken mit den liberalen Prinzipien der Eigentums- und Freiheitssicherung zusammen hängen und wie Marx’ Kritik an der bürgerlichen Sicherheit als der Sphäre des Egoismus heute weiter zu denken sei. Eine der grossen Herausforderungen für eine linke Politik ist dabei sicher, die existenziellen Bedeutungen des Sicherheitsbegriffs für die demokratische Meinungsbildung ernst zu nehmen.

Christin Bernhold: Der neue alte Imperialismus.

Zeitpunkt: 12.00 – 14.00

Der nach dem Ende des Kalten Krieges prognostizierte Weltfrieden ist nie eingetreten – stattdessen leben wir heute in einer Welt neuer Kriege. Die NATO führt seit über einem Jahrzehnt Krieg in Afghanistan, 2011 hat sie zwecks Regime Change Libyen in Schutt und Asche gelegt, im selben Jahr wurde der Südsudan mit Hilfe westlicher Staaten abgespalten und auch in Syrien wird kräftig mitgemischt.
Das durch diese Politik produzierte Leid und Elend schreit nach einer Auseinandersetzung mit ihren Gründen und ihrer Beseitigung. Während aber z.B. noch vor dem ersten Weltkrieg Lenin, Luxemburg und andere „Krieg dem Kriege“ erklärten oder Andre Gunder Frank Ende der 1960er Jahre die imperialistische „Entwicklung der Unterentwicklung“ kritisierte, wurden Debatten über Imperialismus parallel zu den neuen Waffengängen der westlich-kapitalistischen Staaten im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zunehmend als Relikte des „Zeitalters des Imperialismus“ ins Museum verfrachtet. Doch dort sind sie fehl am Platze. Kritik an imperialistischer Politik ist kein Schnee von gestern, auch wenn sie wandelbar ist und die VordenkerInnen des anfänglichen 20. Jahrhunderts nicht in jedem Punkt ihrer Analysen richtig lagen. Um die heutige kriegerische Welt zu verstehen, sollten Linke sich auf ihre Wurzeln besinnen, ohne diese wie eine Schablone auf die heutige Welt zu legen. Ansätze, an die es sich anzuknüpfen lohnt, bieten heutige Imperialismustheorien, wie etwa die des Geographen David Harvey.

Andrea Maihofer: Finanzkrise und was diese mit Männlichkeit, Männlichkeitsinszenierungen oder Männlichkeitsvorstellungen zu tun haben könnte.

Zeitpunkt: 14.00 – 16.00

Folgt

Maren Schreier & Kriso: Ist alternative kritische Wissenschaftsproduktion möglich? Diskussionsanstösse am Beispiel Sozialer Arbeit

Zeitpunkt: 14.00 – 16.00

Keine Frage: Es ist längst überfällig, endlich einmal „auf’s Ganze“ zu gehen! Ausbeutungs-, Unterdrückungs- und Herrschaftsverhältnisse sind – ‚theoretisch‘ wie ‚praktisch‘ – zu analysieren und perspektivisch auch zu überwinden! Hierbei könn(t)en auch akademisch verfasste Wissen(schaft)spraktiken eine Rolle spielen – insofern sie, so die Ausgangsthese des Beitrags, ihre eigene Verwobenheit in die kritisierten gesellschaftlichen Verhältnisse einer radikalen Selbstkritik unterziehen.
Der Beitrag problematisiert – in erkenntniskritischer Absicht und mit Beispielen aus dem Feld kritischer Sozialer Arbeit – einige ‚Blindstellen‘ gegenwärtiger Kritik-Diskurse: Klafft nicht stets eine breite Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeiten ‚kritischer‘ Wissenschaft und/oder ‚kritischer‘ Praxis? Verbleibt nicht ein großer Teil der in akademischen Kontexten zur Sprache gebrachten Kritik auf dem Papier oder im ebenso geschützten wie elitär-geschlossenen Rahmen? Ist einer solcherart praktizierten Kritik nicht aber bereits der ‚Stachel‘ gezogen, agi(tie)rt sie nicht irritierend ‚zahnlos‘ – und damit: harmlos?
Der Beitrag greift ein Unbehagen auf, das aus diesen Überlegungen resultiert; er regt an, einmal ‚anders‘, nämlich selbstkritisch, auf die gegenwärtig etablierten/legitimen Praktiken des „Wissenschaft-Machens“ (Sabine Hark) bzw. ‚Kritik-Übens‘ zu blicken. Damit wird sichtbar, dass und inwiefern beispielsweise auch im Namen ‚kritischer‘ Wissenschaft diskriminierende, ausschließende Praktiken und Strukturen reproduziert werden: auch hier wird Herrschaft ausgeübt.
Die Teilnehmenden sind eingeladen zur Diskussion von Ermöglichungsbedingungen alternativer kritischer Wissen(schaft)spraktiken, die kreativ-hartnäckig zur Herrschaft auf Abstand gehen und damit nicht zuletzt ihren ‚zersetzenden‘ Stachel behalten.

Matthias Rude: Die Tierfrage in linker Tradition und Gegenwart.

Zeitpunkt: 16.00 – 18.00

Kaum eine andere emanzipatorische Forderung verhallte im Gang der Geschichte immer wieder derart ungehört wie der Ruf nach der Befreiung der Tiere. Dabei existiert zur Thematik eine weit zurückreichende, genuin linke theoretische – und auch praktische – Tradition. Die sich momentan bildende Tierbefreiungsbewegung muss als geistige Erbin früherer Bewegungen betrachtet werden, auf deren Wirken sie aufbaut. In einem Streifzug durch die Geschichte modernen emanzipatorischen Denkens wirft dieser Beitrag deshalb einige Schlaglichter auf diese Tradition – um sie aus ihrem Schattendasein zu holen, und um schon einmal gemachte Ansätze zur theoretischen Begründung einer Bewegung zur Befreiung von Mensch und Tier heutigem kritischen Denken zugänglich zu machen und sie zur Diskussion zu stellen.

Elena Louisa Lange: Marx in Japan – Wertform und Fetisch in der japanischen Rezeption der Kritik der politischen Ökonomie.

Zeitpunkt: 16.00 – 18.00

Im 19. Jhrdt. unternahm Karl Marx eine fundamentale Kritik an den Kategorien der klassischen politischen Ökonomie. Auch in Japan wurde allmählich die Relevanz einer Gesellschaftstheorie wahrgenommen, die das Zusammenleben von Menschen nicht nur durch (zweck-)rationales Handeln ihrer Agenten bestimmt. Mehr noch: glaubt man dem Marxismushistoriker Jan Hoff, dann ist „nach wie vor in kaum einem anderen kapitalistischen Land der Welt des wissenschaftliche Interesse an der Marxschen Ökonomiekritik größer als in Japan.“ Besonderes Interesse erfährt seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts die Methodenproblematik und die Wertformanalyse. Dabei wurde z.B. die Theorie der Wertform vermehrt als ein Versuch gelesen, die Grenze des Menschlichen als Grenze eines paradoxen Verhältnisses von menschlich geschaffener ökonomischer ‚Wirklichkeit‘ und dem Verlust über die Kontrolle der ihr zugrunde liegenden Strukturen zu deuten. Marx‘ Entdeckung einer „verkehrten Welt“ von gegenständlichem Schein und gesellschaftlichen Sein – die Entdeckung der Wertform als Grund für die Verselbständigung gesellschaftlicher Verhältnisse im „automatische(n) Subjekt“ des Kapitals – wurde zum Gegenstand intensiver intellektueller Debatten. Insbesondere Kuruma Samezô 久留間鮫造 (1893-1982) und Uno Kôzô 宇野弘蔵 (1897-1977), beide alles andere als ‚orthodoxe Marxisten‘, standen sich bereits 1947 als Kontrahenden über die (Be-)deutung des Wertbegriffs gegenüber. Der Beitrag möchte nicht nur zeigen, dass die Debatte zwischen Kuruma und Uno über den Zusammenhang von Wert, Geld und Arbeit einer Entwicklung vorgreift, die zumindest in Westeuropa erst seit den Siebzigern begann und bis heute in der Strömung der „Neuen Marx-Lektüre“ fortdauert. Er möchte nebenbei auch eine philosophisch anspruchsvolle Diskussion wiederbeleben, die die Grenzen des Menschlichen in einer von ihnen zugleich gestalteten und unverstandenen Ökonomie sieht.

Dimitri Mader: Was ist Herrschaft? Und was hat Kapitalismus mit Herrschaft zu tun?

Zeitpunkt: 18.00 – 20.00

Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass das verbindende Element einer emanzipatorischen Linken die Kritik an Herrschaft ist (oder sein sollte) mit dem Ziel einer praktischen Aufhebung unterschiedlicher und miteinander verschränkter Herrschaftsverhältnisse. Zugleich ist aber oft unklar oder umstritten, was unter Herrschaft überhaupt verstanden werden kann. Im ersten Teil des Vortrags möchte ich deshalb einen kritischen und nicht-verkürzten Herrschaftsbegriff vor-schlagen, der als Grundlage antiherrschaftlicher Theorie und Praxis auf der Höhe der Zeit dienen kann. Hierzu wird Herrschaft in Beziehung zu anderen Kritikbegriffen wie Macht, Gewalt, Ungleichheit und Ausbeutung gesetzt. Im zweiten Teil wird mit Kapitalismus ein bestimmtes Herrschaftsverhältnis genauer betrachtet: Worin genau besteht im oder am Kapitalismus die Herrschaft? Hier gilt es einerseits gängige Argumente zu prüfen, die aus liberaler, sozialdemokratischer und postmoderner Perspektive gegen die These der grundsätzlichen Herrschaftsförmigkeit des Kapitalismus vorgebracht werden. Andererseits wird dem „Schisma“ innerhalb der antikapitalistischen Linken nachgegangen, die kapitalistische Herrschaft entweder primär als Klassenherrschaft oder als anonyme Herrschaft des Kapitalverhältnisses begreift und beide Aspekte häufig unnötigerweise gegeneinander ausspielt.

Tove Soiland: Eine feministische Kritik der politischen Ökonomie – oder warum es sich für eine Feministin immer noch lohnt, Marx zu lesen.

Zeitpunkt: 18.00 – 20.00

Folgt

Abschlussdiskussion: Wie können die unterschiedlichen Ausbeutungsverhältnisse überwunden werden? Wie sieht eine kritische Praxis aus?

Zeitpunkt: 21.00 – 22.30

Folgt